Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Institutsgeschichte und Profil

Geschichte
Profil

 

Geschichte des Instituts

 
Georg Friedrich Creuzer

1771-1858

 

Nach der Wiederbegründung der Universität Heidelberg im Jahr 1803 war Georg Friedrich Creuzer als Professor der Klassischen Philologie (1804-1845) eine Schlüsselfigur der romantischen Bewegung mit Ausstrahlung weit über den Bereich der Altertumswissenschaft hinaus. Sein Hauptwerk "Symbolik und Mythologie der alten Völker, besonders der Griechen" (1810-22) traf zwar auf heftigen Widerstand der Fachwelt, stellte aber in einer Zeit beginnender Aufspaltung in Spezialdisziplinen eine eindrucksvolle Gesamtvision frühzeitlicher Kulturen dar. Seit 1810 hielt Creuzer regelmäßig alle zwei Jahre Vorlesungen über Archäologie, in denen er die gesamte griechische Kunst systematisch behandelte. Seine eigene Sammlung sowie eine von Institutisten gestiftete Kollektion von Münzen, Gemmen und Abgüssen, das "Antiquarium Creuzerianum", bildeten später den Grundstock der archäologischen Universitätssammlung.

   
Karl Zell

1793-1873

 

Auch Creuzers Nachfolger Karl Zell (1847-1855), ebenfalls Philologe, bezog die Archäologie in die Lehre ein. Das Jahr 1848, in dem es ihm gelang, die erste Dotation zum Ankauf von "archäologischen Hilfsmitteln" zu erhalten, bedeutet das Gründungsdatum der Heidelberger Antikensammlung.

   
Karl Bernhard Stark

1824-1879

 

Ein eigener Lehrstuhl für Klassische Archäologie wurde 1855 begründet und mit Karl Bernhard Stark (1855-1879) besetzt. 1866 wurde das Fach als eigenes Institut in einem Gebäude am Universitätsplatz eingerichtet, wo die Antikensammlung vor allem mit Gipsabgüssen ausgebaut werden konnte. Wie alle deutschen Archäologen des 19. Jahrhunderts war Stark als Philologe ausgebildet, hat aber Archäologie in Forschung und Lehre in einem sehr weiten Sinn aufgefaßt, unter Einschluß sowohl des Orients als auch der nachantiken Kunstgeschichte. Sein "Handbuch der Archäologie der Kunst" (1. Teil 1878-80) ist eine bewundernswerte, bis heute nicht übertroffene Darstellung der "Systematik und Geschichte der Archäologie".

   
Friedrich von Duhn

1859-1930

 

Mit Friedrich von Duhn (1879-1920) übernahm den Lehrstuhl ein Vertreter der jüngeren Generation, die durch die wissenschaftlichen Großgrabungen und enzyklopädischen Projekte der Gründerzeit geprägt waren. Er konnte das Jubiläum des 500jährigen Bestehens der Universität 1886 zu einem großen Ausbau der Gipsabguss-Sammlung, u.a. zum Erwerb von Abgüssen der Parthenon-Skulpturen, nützen. Daneben wurde zu seiner Zeit die Original-Sammlung durch Ankäufe und vor allem durch bedeutende Schenkungen beträchtlich erweitert. Von Duhns Hauptwerk "Italische Gräberkunde" (1924; 1939) stellt einen bedeutenden Schritt der klassischen Archäologie in Richtung auf die Prähistorie dar. Unter seiner Leitung wurde im Rahmen des Archäologischen Instituts Professuren für Alte Geschichte und für Kunstgeschichte eingerichtet.

   
Ludwig Curtius

1874-1954

 

In der intellektuellen Glanzzeit der Heidelberger Universität während der 1920er Jahre stellte Ludwig Curtius (1920-1929) einen Attraktionspunkt für einen großen Kreis von Schülern dar, die eine neue Sicht der antiken, vor allem auch der römischen Kunst entwickelten: Otto Brendel, Reinhard Herbig, Hermine Speier, Werner Technau wurden von Curtius promoviert, Bernhard Schweitzer habilitierte sich, Ernst Langlotz war Assistent, Karl Lehmann-Hartleben Privatdozent zu seiner Zeit. Sein damals verfasstes Buch "Pompeianische Wandmalerei" (1929) erreichte ein breites gebildetes Publikum.

   
Arnold von Salis

1881-1958

 

Unter Arnold von Salis (1930-39) zog das Institut 1930 in einen Bau von Friedrich Weinbrenner am Marstallhof um; die Antiken- und Gipsabguss-Sammlung blieb im alten Gebäude. Wissenschaftlich setzte er die Ausrichtung des Faches als antike Kunstgeschichte, mit Ausweitung auf das Nachleben in der Renaissance, fort. Wegen seiner Schweizer Nationalität konnte von Salis das Fach von politischen Einfärbungen frei halten.

   
Reinhard Herbig

1898-1961

 

Reinhard Herbig (1941-1956) erweiterte das Spektrum des Faches auf die etruskische Archäologie. Sein Ansehen in der Universität nach dem 2. Weltkrieg kam in seiner Wahl zum Rektor für 1955-56 zum Ausdruck.

   
Roland Hampe

1908-1981

 

Die Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs wurde von Roland Hampe (1957-1975) zu einem kräftigen Ausbau des Instituts genutzt. Die Originalsammlungen wurden durch bedeutende Neuerwerbungen besonders im Bereich der griechischen Frühzeit stark erweitert. In dem neuen Kollegiengebäude am Marstallhof wurden die Original- und die Gipsabguss-Sammlung in musealer Ausstellung mit dem Institut vereinigt. In Verbindung mit der Heidelberger Akademie der Wissenschaften wurde von Hampe eine Forschungsstelle "Antike Mythologie" zur Mitarbeit an dem internationalen "Lexicon Iconographicum Mythologiae Classicae" eingerichtet, die einen neuen interdisziplinären Schwerpunkt darstellte.

   
   

Daneben setzte Erika Simon (1957-1964) neue Akzente in der Römischen Archäologie. Durch Jörg Schäfer (1968-1991) entstand ein Schwerpunkt in der Archäologie der ägäischen Bronzezeit.

   
   

Profil des Instituts


In den verschiedenen Fachgebieten verfolgt das Heidelberger Institut für Klassische Archäologie das Konzept, Archäologie in einem interdisziplinären Rahmen zu betreiben: sachlich im Verbund der gesamten mediterranen Kulturen, die in Heidelberg mit Schwerpunkten vor allem im Bereich des Balkans (Ur- und Frühgeschichte), des Vorderen Orients (Assyriologie, Vorderasiatische Archäologie) und Ägyptens (Ägyptologie) vertreten sind; methodisch im Rahmen der allgemeinen Kulturwissenschaften. Die Forschungen stehen auf der theoretischen Grundlage kulturanthropologischer Fragestellungen und Arbeitsweisen; entsprechend werden je nach Thema und Projekt Verbindungen zu den Geschichts-, Sozial-, Kultur-, Kunst- und Religionswissenschaften geschaffen. Das allgemeine Ziel ist, die antiken Kulturen vergleichend in den gegenwärtigen Diskurs der Weltkulturen einzubringen.
In der Lehre wird das Ziel verfolgt, archäologische Fachkompetenz in einem allgemeinen kulturwissenschaftlichen Rahmen zu vermitteln. Dabei wird neben der Ausbildung für eine wissenschaftliche Laufbahn ein Schwerpunkt auf den Erwerb praktischer Fähigkeiten für spätere Berufe innerhalb und außerhalb der Wissenschaft gelegt: Bestimmen und Zeichnen von archäologischen Objekten aus der Originalsammlung, Praxis des Ausgrabens, Führungen im Archäologischen Universitätsmuseum, Wissenschaftlicher Journalismus. Darüber hinaus wird durch Stärkung (kultur-)theoretischer Reflexion eine allgemeine Kompetenz im Bereich kultureller Berufe ausgebildet.
Das Institut für Klassische Archäologie der Universität Heidelberg hat gegenwärtig folgende Schwerpunkte, die sowohl in der Lehre wie in der Forschung vertreten sind:


1. Archäologie der griechisch-römischen Kultur

a. Heiligtümer
- Gestaltung, Funktion, Ausstattung, Votivpraxis
- Instrumente und Rituale von Kulten
- kulturtheoretische Grundlagen
b. Architektur und Urbanistik
- Forschungen zu öffentlichen Räumen, Straßen und Platzanlagen
- Untersuchungen zu Badeanlagen, Wohnhäusern, Vereinsbauten und kommerziellen Anlagen
(in diesem Rahmen Grabung und Bauforschungen in Pompeji, Bauforschungen in Delos)
c. Bildkultur
- Ikonographie und Ikonologie griechischer Vasenbilder
- Verhältnis von Bildern zu literarischen Texten
- Mythenbilder im gesellschaftlichen Kontext
- Aufstellungskontexte und Funktionen von Bildwerken
- Staatsdenkmäler im Kontext von Politik, sozialer Repräsentation und Mentalität, öffentliche Denkmäler und kollektives Gedächtnis, bes. Athen und Rom (römische Staatsreliefs)
d. Grabforschung
- Griechische Grabsitten und Sepulkralkunst
- römische Grabdenkmäler
(in diesem Rahmen Grabung in der Nekropole von Assos)
e. Gender Studies
- Forschungen zur Kindheit und zu Rollen des Kindes in der Antike
f. Geoarchäologie
- in diesem Rahmen Forschungsprojekt in Didyma
g. Griechisch-römische Toreutik
h. Römische Glyptik
i. Antike Bewaffnung
j. Antikenrezeption und Antikensammlungen
k. Interkulturalität, schwerpunktmäßig am Beispiel des griechisch-römischen Ägypten


2. Archäologie der ägäischen Bronzezeit

a. Forschungen zur Minoischen und Mykenischen Kultur
b. Gewöhnlich mit Grabungsprojekt verbunden (zuletzt in diesem Rahmen Grabung von Prof. Dr. W.D. Niemeier im bronzezeitlichen und archaischen Milet) - C3 Professur wird voraussichtlich zum SS 2003 neu besetzt

3. Etruskische Archäologie

a. Ikonographie der Mythen
b. Etruskische und italische Religion
c. Bronzen


4. Provinzialrömische Archäologie

a. Augusteische Expansionspolitik in Germanien
b. Römischer Import im Freie Germanien


5. Christliche Archäologie und Byzantinische Kunstgeschichte

In diesem Rahmen Grabung in El Anderin (Syrien)

6. Grabungen und Feldforschungen

a. Bronzezeitliches und archaisches Milet (weitgehend beendet, Aufarbeitung und Publikation)
b. Assos (Grabung beendet, Aufarbeitung und Publikation)
c. Didyma: geologisch-archäologische Untersuchungen zu den natürlichen Ressourcen und Baumaterialien des Apolloheiligtums (Feldforschung beendet, Aufarbeitung und Publikation)
d. Pompeji: Grabung, Bauaufnahme und Bauforschung, Restaurierung, geophysikalische Untersuchungen, Archivforschungen (Grabung beendet, Aufarbeitung und Publikation)
e. El Anderin (Syrien)

7. Museen und Sammlungen

a. Antikenmuseum und Abguss-Sammlung des Instituts für Klassische Archäologie
- Nutzung für Forschung und Lehre
- Sonderausstellungen
- Systematische Publikation einzelner Gattungen und der Sammlungsgeschichte
- Museumspädagogische Praktika (u.a. regelmäßig Führungen durch Studierende)
b. Kooperation mit anderen Museen
- Badisches Landesmuseum in Karlsruhe (Prof. Dr. M. Maaß): Museumspraktika, Führungen und Ausstellungsvorbereitungen
- Historisches Museum der Pfalz in Speyer
- Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim

Seitenbearbeiter: E-Mail
Letzte Änderung: 12.11.2008
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