Bunte Götter

Verlängert bis 20. Mai 2012

Bunte Goetter Plakat

 

Gina-giebel West Teilrekonstruktion

Ausschnitt aus dem Westgiebel des Aphaia-Tempels in Ägina, Glyptothek München (um 490 v. Chr.). Rekonstruktion Stiftung Archäologie (Foto D. Rehm)

Farbige Antike

Dass antike Skulptur und Architektur farbig bemalt war, passt nicht in unser Bild von griechischer und römischer Kunst. Weil sie zumeist ohne ihren ursprünglichen Farbüberzug ans Tageslicht kamen, stellte man sich seit der Renaissance die Statuen weiß vor. Die dann im europäischen Klassizismus des 18. und 19. Jahrhunderts verbreitete Ästhetik der farbfreien, reinen Form prägt unsere Vorstellung bis heute. Die helle Marmoroberfläche der Statuen und Büsten ist jedoch die Folge von Verwitterung und moderner Reinigung.

Aus antiken Schriftquellen wissen wir, dass die griechischen Bildhauer ihre Statuen und Reliefs farbig gefasst haben. Darüber hinaus wurden bei archäologischen Ausgrabungen seit dem 18. Jahrhundert zahlreiche Skulpturen mit deutlichen Farbspuren gefunden. Besonders eindrucksvoll in ihrer lebendigen Farbigkeit sind die archaischen Statuen von Mädchen, Kriegern und Reitern von der Athener Akropolis. Auch die römischen Porträts muß man sich bunt bemalt vorstellen.

Peploskore

Sog. Peploskore in Athen, Akropolismuseum (um 520 v. Chr.). Farbrekonstruktion Stiftung Archäologie / Deutsche Forschungsgemeinschaft, Leibnizpreis O. Primavesi 2007 (Foto V. Brinkmann)

Panzertorso, Vorderseite

Torso eines gepanzerten Kriegers von der Athener Akropolis, Athen, Akropolismuseum (um 470 v. Chr.). Farbrekonstruktion Stiftung Archäologie (Foto: V. Brinkmann)

Wissenschaftliche Rekonstruktionen

Seit ihren Anfängen hat sich die Archäologie darum bemüht, die verblasste Farbigkeit wieder erstehen zu lassen. Aber erst die modernen naturwissenschaftlichen Untersuchungsmethoden stellen die Erforschung der antiken Polychromie auf eine sichere Grundlage. Mit Streiflicht, UV-Fluoreszenz, Spektroskopie und anderen Techniken können verschwundene Farben und Muster wieder sichtbar gemacht werden, bisweilen mit verblüffenden Folgen: Ein scheinbar nackter Krieger trägt in Wirklichkeit unter dem Panzer ein durchscheinendes, mit pflanzlichen Mustern übersätes, kurzes Gewand.

Die Ausstellung BUNTE GÖTTER präsentiert die Ergebnisse einer drei Jahrzehnte währenden systematischen Forschungsarbeit. Farbig gefasste Abgüsse setzen die Erkenntnisse der Untersuchungen um und führen so die überraschende Lebendigkeit der antiken Skulpturen vor Augen. Für die Rekonstruktionen finden wie in der Antike ausschließlich Naturpigmente Verwendung, die dafür aufwendig zubereitet und mit Ei und Kasein als Bindemitteln aufgetragen werden.

Eine besonders auffällige Erscheinung ist der bunt gewandete, als sog. Paris bekannte Bogenschütze aus dem Westgiebel des Aphaia-Tempels auf der griechischen Insel Ägina. Sein eng anliegendes Trikot überzieht ein kompliziertes Muster aus farbigen Rauten und Pfeilen.   Bei dieser Rekonstruktion handelt es sich um eine Weiterentwicklung einer früheren Fassung. An der Gestaltung der Weste, des Bogens und anderer Details war auch das Heidelberger Institut für Klassische Archäologie beteiligt.

Paris

Sog. Paris aus dem Westgiebel des Aphaia-Tempels in Ägina (um 490 v. Chr.). Rekonstruktion der antiken Farbfassung. Stiftung Archäologie und Institut für Klassische Archäologie der Universität Heidelberg (Foto V. Brinkmann)

Bunte Götter

Die Ausstellung, 2003 erstmals in München präsentiert, hat seitdem an zahlreichen Orten in Europa und Amerika über eine Million Besucher angezogen. Im Laufe der Jahre wurde sie um weitere attraktive Beispiele antiker Polychromie erweitert, darunter die anmutige Statue der jung verstorbenen Phrasikleia und der sog. Alexandersarkophag. Das Schlachtgetümmel auf seiner Nebenseite wird durch die gut erhaltene Farbigkeit in seiner Dramatik noch gesteigert, der Detailreichtum der Ausrüstung von Griechen und Persern durch die Bemalung erst erkennbar.

Alexandersarkophag

Nebenseite des Alexandersarkophags in Istanbul, Archäologisches Museum (um 320 v. Chr.). Rekonstruktion der nachweisbaren Farben. Stiftung Archäologie (Foto V. Brinkmann)

Mit ihren Arbeiten zur antiken Polychromie haben Vinzenz Brinkmann und Ulrike Koch-Brinkmann die wissenschaftliche Diskussion enorm belebt und eine fast vergessene, bewundernswerte Qualität antiker Kunst ins Bewusstsein zurückgeholt. Dank der freundlichen Kooperation mit der Stiftung Archäologie in München kann in Heidelberg nun eine Auswahl der bedeutendsten und aktuellsten Farbrekonstruktionen der vergangenen Jahre gezeigt werden. In der Abguss-Sammlung antiker Plastik der Universität am Marstallhof, wo sie in deutlichem Kontrast zur dort befindlichen Galerie weißer Statuen aus Gips ausgestellt sind, stehen die BUNTEN GÖTTER in ihrer farbigen Pracht vor den Augen der Besucher. Ein reichhaltiges Programm begleitet die Ausstellung.

Die Ausstellung Bunte Götter wird vom 29.10.2011 bis zum 20.05.2012 in der Abguss-Sammlung des Instituts für Klassische Archäologie der Universität Heidelberg (EG) gezeigt.

 

 

 Die Ausstellung BUNTE GÖTTER in Heidelberg

Die Ausstellung in der Abguss-Sammlung der Universität Heidelberg konzentriert sich auf die aktuellsten und technisch wie wissenschaftlich bedeutsamsten Beispiele der Polychromie-Forschung. Dazu zählen die strahlende Statue der jung verstorbenen Phrasikleia, der Perserreiter von der Athener Akropolis und die wild bewegten Friese des sogenannten Alexandersarkophags.

Torso Bogenschuetze Statue der Phrasikleia

Torso von der Athener Akropolis mit vergoldetem Panzer. Der Bildhauer hat die Statue so angelegt, daß sie ohne die Bemalung fast nackt wirkt. Erst die Arbeit des Malers vervollständigte die Darstellung des Bogenschützen und gab ihm neben dem Muskelpanzer ein mit zarten Ornamenten geschmücktes, kurzes Untergewand. - Athen, Akropolismuseum (um 470 v.Chr.). Rekonstruktion Stiftung Archäologie 2005 (Foto H. Vögele)

Statue vom Grab der Phrasikleia. Neben dem dominierenden Rot verwendete der Maler auch Metallfolie, Bleizinn und Gold, um das Gewand und den Schmuck farbig wiederzugeben. - Athen, Nationalmuseum (um 550-540 v.Chr.). Rekonstruktion Deutsche Forschungsgemeinschaft, Leibnizpreis O. Primavesi 2007 (Foto H. Vögele)

 

Perserreiter und Aegina-Giebel Westgiebel von Aegina

Blick in die Heidelberger Ausstellung, im Vordergrund der Perserreiter in orientalischem Hosengewand von der Athener Akropolis. Die Farbfassung der Statue ist hervorragend und in allen Details erhalten - Athen, Akropolismuseum (um 490 v.Chr.). Rekonstruktion Deutsche Forschungsgemeinschaft, Leibnizpreis O. Primavesi 2008 (Foto H. Vögele)

Die Teilrekonstruktion des Westgiebels des Aphaia-Tempels von Ägina gibt eine gute Vorstellung von der Farbigkeit griechischer Bauskulptur in ihrem ursprünglichen Kontext. Das Giebelfeld bildet einen Rahmen, der mit überwiegend rot und blau gehaltenen Zierbändern bemalt ist. Einen besonderen Blickfang stellt der als 'Paris' bekannte Bogenschütze mit seinem exotischen, leuchtend bunten Hosengewand dar. - München, Glyptothek (um 490-480 v.Chr.). Rekonstruktion Stiftung Archäologie und Institut für Klassische Archäologie der Universität Heidelberg (Foto H. Vögele)

 Schulklasse in der Ausstellung

Die Ausstellung wurde bisher von einer großen Zahl von Schulklassen besucht. Die Kinder und Jugendlichen zeigen ein lebhaftes Interesse an der Farbigkeit der Statuen und ihrer Bedeutung für die antike Skulptur. Führungen für Schüler und Erwachsenengruppen sind auch außerhalb der Öffnungszeiten nach Vereinbarung möglich (Foto H. Vögele).

  

Ort

Marstallhof 4, 69117 Heidelberg (behindertengerechter Zugang von der Hofseite her)

Öffnungszeiten

So 11–17 Uhr, Mi 14–17 Uhr, Sa 14–17
Geschlossen in der Weihnachtszeit vom 23.12.2011 – 07.01.2012

Eintritt

Erwachsene 4 €, angemeldete Gruppen ab 10 Pers. je 3.50 €, Rentner, Azubis 2 €, Studierende, Schüler und Kinder frei

Führungen

Öffentliche Führungen an folgenden Sonntagen um 15 Uhr: 11.03, 15.04., 06.05., 20.05. – Erwachsene 3.50 € plus Eintritt

Gruppenführungen

(ab 10 Personen)

Nach Vereinbarung auch außerhalb der Öffnungszeiten, 3.50 € plus Eintritt, Schulklassen pro Schüler 1 €

Informationen

Antikenmuseum der Universität Heidelberg: Tel. 06221-542512, 542515, Fax 06221-543385

 

E-Mail antikenmuseum@zaw.uni-heidelberg.de

Web http://www.klassische-archaeologie.uni-hd.de/einrichtungen/antikenmuseum.html

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Seitenbearbeiter: E-Mail
Letzte Änderung: 01.11.2012
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